Auktionen

 

Eine Auktion dient als Ersatz für die konventionellen  Preisverhandlungen im Beschaffungsprozess. In einer Auktion kann erheblich mehr Preisdruck aufgebaut werden als durch konventionelle Verhandlungen, da die Bieter gezwungen sind, unmittelbar auf Gebote ihrer Konkurrenten zu reagieren.

Es existieren zwei Arten von Auktionen, Verkaufsauktionen, auch Forward Auctions genannt, und Einkaufsauktionen, sog. Reverse Auctions. Einkaufsauktionen funktionieren dabei logischerweise umgekehrt wie die entsprechenden Verkaufsauktionen, daher auch die englischen Bezeichnungen.
Im Folgenden wird nur auf die Einkaufsauktion eingegangen.
Der Grund, warum Auktionen im Beschaffungsprozess bisher selten verwendet werden, ist der schon genannte: Es erfordert sehr großen Aufwand, die Bieter an den Ort der Auktion zu bringen. Findet die Auktion auf einer elektronischen Plattform statt, fallen die Beschränkungen weg, so dass auf elektronischen Plattformen über Auktionen optimale Preise erzielt werden können.

Wichtigste Anforderung für eine Auktion ist, dass die Angebote der Lieferanten vergleichbar gemacht worden sind und der Preis das einzige verbleibende Kriterium ist. Im Gegensatz zur oben erwähnten Vorwärtsauktion, bei der alle Teilnehmer auf ein in der Regel vorhandenes Gut bieten, sind die Leistungen der an einer Rückwärtsauktion Beteiligten individuelle Leistungen, die voneinander abweichen können. Es muss daher sichergestellt werden, dass die Leistungen der Lieferanten vergleichbar sind. Ist dies nicht der Fall, wird das Auktionsergebnis dahingehend verzerrt, dass nicht der Lieferant mit dem besten Angebot, sondern der Lieferant mit der am billigsten zu erbringenden Leistung ( bei gleichem Preis ) die Auktion gewinnt. Die Vergleichbarkeit der versteigerten Leistung wird in der Regel durch eine vorherige Ausschreibung sichergestellt.

Es existieren verschiedene Arten von Einkaufsauktionen mit eigenen Ergebnisprofilen, von denen die vier wichtigsten im Folgenden näher betrachtet werden sollen, da die Auswahl der geeigneten Auktionsform für den Erfolg mit entscheidend sein kann.

-       Englische Auktion: Die Englische Auktion ist die älteste und bekannteste Auktionsform. Die Lieferanten geben für einen vorher festgelegten Auftrag Gebote ab, die sie immer weiter verbessern. Der Lieferant, der das letzte und somit das niedrigste Gebot angegeben hat, bekommt den Zuschlag.

-       Japanische Auktion: Die Japanische Auktion erfolgt rundenbasiert. In jeder Runde muss der Lieferant mit dem schlechtesten Gebot das beste Gebot unterbieten, oder auf der Auktion ausscheiden. Die Schrittweise wird in der Regel von Einkäufern festgelegt. Es werden so viele Runden durchlaufen, bis nur noch ein Lieferant übrig ist.

-       Holländische Auktion: Bei der Holländischen Auktion erfolgt die Annäherung an den Preis nicht von oben, sondern von unten. Der Einkäufer gibt dazu einen Startpreis an, zu dem er bereit ist, den Auftrag zu vergeben. Dieser Preis wird schrittweise erhöht. Der erste Lieferant, der bereit ist, den genannten Preis zu akzeptieren, bekommt den Zuschlag. Der besondere Vorteil dieser Auktionsform ist, dass der Endpreis bei der Zahlungsbereitschaft des Auktionsgewinners liegt, also bei dem Preis, den er gerade noch bereit ist zu akzeptieren, nicht wie bei den anderen Auktionsformen bei der Zahlungsbereitschaft des Zweitbesten.

             -    Brasilianische Auktion:  Die Brasilianische Auktion erfolgt ebenfalls mit aufsteigenden Geboten. Der Einkäufer legt vor Auktionsbeginn seine                     Zahlungsbereitschaft offen. Dann beginnen die Lieferanten um den Auftrag zu steigern, indem sie das Auftragsvolumen immer weiter                                   verbessern. Der Lieferant, der für den festgelegten Betrag das größte Volumen anbietet, bekommt den Zuschlag